Wünscht mehr Globalisierung

Richebächer Sabine, Zürich
vom 19.01.2006

Lieber Emilio

Bin gerade aus Paris zurück und treffe morgen abend meine Verlegerin, weiss daher nicht, ob ich es schaffe an die TV. Daher in Eile ein paar Gedanken.

1. Eine möglichst breite Palette von Zeitschriften ist für mich wichtig, da ich selber wissenschaftlich arbeite, so wird ein Diskurs ermöglicht, ich erfahre Dinge, auf die ich später zurückkomen kann, oder vielleicht suche ich jemanden für eine bestimmt Frage. Eine Zeitschrift bietet Öffentlichkeit und Gelegenhiet sich auseianderzusetzen. Zeitschriften sind heute wichtiger denn je, weil kaum mehr jemand Zeit hat, Bücher zu schreiben. Zeitschriften konstitutieren also auch eine wissenschaftliche oder fachspezifische Gemeinschaft, auch über Grenzen hinweg. Wenn Vernetzung wichtig sein soll, dann sind Zeitschriften ein verbindliches Instrument, um das zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Das Internet kann das nicht ersetzen, wenigstens bis jetzt nicht.

2. Es muss geklärt werden, welche Mittel realiter zu Verfügung stehen. Die Seitenlimiten dürfen nicht überschritten werden, weil dadurch die Kosten für den Verlag ins Exponentielle steigen - das hängt damit zusammen, dass dann nicht einfach ein paar Seiten mehr gezahlt werden müssen, sondern Verlage machen Terminpakete mit Druckereien ab, es werden Papierbudgets auf Termin erhoben etc. etc., es ist also alles komplizierter als man meinen könnte.

3. Was ist das Zielpublikum, was soll das Journal erreichen, was sind meine Adressaten, wie kann ich die erreichen - das sind inhaltliche Fragen. Sind es die vernetzten linken Psychoanalytiker, die man vor allem ansprechen möchte? Wieviele davon gibt es? Ist das Journal vor allem ein Selbstdarstellungsinstrument des PSZ? Derzeit, so dünkt mich, ist es das manchmal, manchmal aber auch nicht. Wenn eine professionelle Zeitschrift, dann muss sie möglichst viele Leser im deutschsprachigen Raum interessieren, also auch international relevante Dinge behandeln. Einfach ist es nicht: Die Situation für Zeitschriften ist sehr schlecht derzeit, auch eingeführte Zeitschriften haben Probleme (Psyche).

Alternativen sind: Vereinsblatt, professionelle Zeitschrift, vielleicht auch ein Jahrbuch. Aber zuerst muss geklärt werden, was das Ziel ist, was finanziell möglich ist, damit eine kontinuierliche Arbeit geleistet werden kann.

Das ist's für heute, liebe Grüsse
Sabine