Verteilt Journale gerne in der Welt

Petruschkat Rosmarie, Zürich
vom 08.01.2006

Lieber Emilio,

Dir und der Redaktion vielen Dank für Deinen Brief und die Anf¨rage nach dem Interesse und der gründlichen oder weniger gründlichen Lektüre vom Journal. Ich bin eine, die vieles - wenn auch nicht immer alles - sehr aufmerksam liest und für das Journal dankbar ist. Das erste Heft habe ich vielleicht am wenigsten gründlich gelesen - weil ich dann schon genug vom "setting" hatte, für das ich das von mir und Dir Geschriebene im "Interview" vorher gründlicher studieren musste - z.T. aus altem Geschriebenen und Vergessenem von mir - als ich zunächst dachte. Es fiel mir nämlich ein, dass es auch in Deutschland und anderswo gelesen werden würde und musste mir kritische Leser vorstellen. - Eine Nummer davon muss ich nun im Verlag noch nachbestellen (die anderen sind verschenkt) weil ich sie zu einem Kollegen nach Hamburg schicken möchte.Ich habe es schon angekündigt und kann ihn um eine Reatkton bitten.

Ich habe also erfahren, wie es in anderen Kantonen der Schweiz zugeht - war überrascht über die Unterschiedlichkeit in diesem kleinen Land - und auch wie es im Ausland, z.B. in England bestellt ist, das ich immer für aufgeschlossen für sozialistisches Gedankengut hielt, - in der gründlichen Arbet darüber erfuhr ich viel und nicht nur Bestätigendes darüber. ( Die Arbeit von Zepf dagegen, die mir sehr von persönlicher Frustration bestimmt schien, hat mir nicht gefallen - aber es sagt auch einiges über meine Heimat aus.) - Ich komme in Versuchung, mehr zu schreiben und mehr in die Hefte wieder hineinzuschauen oder aus dem Kopf darüer zu berichten (z.B. die MorgentalerVorträge..) aber das kann ich jetzt nicht tun, weil die Zeit drängt. - Ich bin zur Zeit, wie Du vielleicht weisst, ein Pendler zwischen Belfast/Nordirland und Zürich und so gerade etwas unter Druck. Dort wird, unter Leitung von Paul Williams u.a. ein neues Institut gegründet oder ein sehr kleines bisheriges ausgebaut. Aber da ich das wöchentlich tue, kann ich wieder darauf zurückkommen - am besten schriftlich, denn in mündlichen Diskussionen bin ich kein grossr Held, finde immer, dass das andere viel besser können. - Nur soviel noch jetzt: Ich hatte eigentlich vor, für den Forum -Teil noch vor etwas über den Moskauer Kongress zu schreiben; wir waren immerhin fünf aus der Quellenstrasse, ich war mit Regula Schiess (die wunderbar Russisch spricht) und Renate Hauser zusammen. Und ich erlebte vieles aus einer anderen Perspektive als Renate in ihrem Bericht - was natürlich ist und nicht Kritik bedeutet. Vielleicht wäre dazu noch Gelegenheit?

Etwas wollte ich schon längst an Dich schreiben, nämlich ein Missverständnis Deinerseits aufklären, das sich im Interview von Lilian befand ( Du siehst, gründlich gelesen). Psychotische Mechanismen sind in England und jedenfalls für Kleinians und andere nicht schon etwas Psychotisches, also "ein bisschen Aggression ruft nicht schon eine Psychose hervor" -.gemeint sind damit frühe Mechanismen mit Spaltungen etc, also nicht von der depressiven Position bestimmte , nicht an einem guten äusseren Objekt orientierte, - häufig z.B. bei Borderline, aber in gewisser Weise können sie hier und da auch bei uns allen vorkommen. Und die Patientin von Hinshelwood war ja gerade deshalb bewunderswert, weil sie so "durchlässig" war, aber ganz schnell auch wieder aus diesem Zustand zurückkam - das ist sicher äusserst selten, und deshalb hat er es auch mit Frueuen vorgebracht.

Für heute genug. Noch gute Wnsche Dir für das Neue Jahr - und auch meine besten Wünsche Dir und der Redaktion für den guten Fortbestand des "Journals".

Herzlich,
Rosemarie