Konzentration auf Ausbildungsfragen

Dreyfus Madeleine, Zürich
vom 15.01.2006

Lieber Emilio
liebe Journal-Redaktion

Ihr habt dazu aufgerufen, die Meinung zum Journal zu sagen. Nun denn, ich glaube, es ist sehr wichtig, die Ressourcen gut einzusetzen, die im PSZ vorhanden sind, und ich glaube, das Journal frisst mehr als es hergibt. Das wichtigste im Moment scheinen mir Ausbildungs- und Akkreditierungsfragen zu sein, und ich finde, wir sollten uns darauf konzentrieren.

Ich glaube nicht, dass das Journal jetzt bedeutend mehr Leser hat als vorher, es ist immer noch eine Sache, die wir für uns selber machen. Ich bin schon für Publizieren, aber wenn man nur für sich selbst schreibt, hat es etwas Narzisstisches. Wichtig wäre ja der Austausch mit anderen PsychoanalytikerInnen, und genau dies ist aber nicht gegeben durch ein Journal, das trotz Anspruch auf ein grösseres Publikum nur von uns selbst gelesen wird; zugegeben, viel Zeit wurde Euch nicht gelassen, aber die bereits erschienenen Nummern sind für mich erschreckend uneinheitlich im Niveau der einzelnen Beiträge.

Ich persönlich glaube, dass die inneren und äusseren Herausforderungen bei der Umwandlung des PSZ vom bisherigen, sehr freien (oder chaotischen, je nach Empfinden) Ausbildungskonzept zu einer strukturierten Ausbildungsinstitution alle Kräfte bindet. Dies wird nicht die Zeit sein für wissenschaftliche Höhenflüge, die Atmosphäre bisher war jedenfalls nicht so, und stimmt mich für die Zukunft nicht allzu optimistisch.

Lieber Emilio, wenn ich mich richtig erinnere, hat das PSZ auf Deinen Vorschlag damals 10'000.- Franken an die bewegte Jugend ins AJZ überwiesen - eine Geste, mit der der Jugend ein Geschenk gemacht werden sollte. Heute brauchen die Jungen, die PsychoanalytikerInnen werden möchten, eine Institution, die ihnen dabei hilft; und ich finde, es ist immer noch lohnend, eine solche Institution neben dem Freud-Institut zu betreiben. Es braucht aber viel Kraft, und diese muss gebündelt werden. Wir werden hohe Ausgaben haben, immer weniger TeilnehmerInnen; deshalb bin ich absolut dagegen, unsere Mittel für ein gedrucktes Journal auszugeben, das wir in erster Linie selbst lesen (oder nicht einmal das!); ein Jahrbuck im Internet fände ich dagegen interessant, mehr im Sinne von 'nice to have'.

Am 20.Januar kann ich nicht dabei sein.

Mit besten Grüssen
Madeleine Dreyfus