Geschichte und Konzept des Journal für Psychoanalyse

Zürich ist für die psychoanalytische Bewegung ein besonderer Ort. Hier wurden einige wichtige Seiten ihrer Geschichte geschrieben. Neben einigen älteren tiefenpsychologischen Schulen (wie das Jung-, das Daseins-, das Szondi- und das Freud-Institut) und neueren Gruppierungen im Bereich der humanistischen Psychologie und der Verhaltenstherapie hat sich das Psychoanalytische Seminar (PSZ) seit 1977 etabliert. Es hat sich auch in den neuesten berufspolitischen Auseinandersetzungen mit seinem Selbstverwaltungsmodell und seinem radikalen Verständnis der psychoanalytischen Ausbildungspraxis behauptet und bewährt. Die TeilnehmerInnenzahlen sinken zwar seit ungefähr zehn Jahren kontinuierlich, das PSZ ist aber mit seinen über 500 zahlenden Mitgliedern weiterhin die wichtigste Freudsche Ausbildungsstätte in der Schweiz. Mit seinem basisdemokratischen Modell strahlt es darüberhinaus auch in die Welt hinaus – es ist weltweit das einzige grosse Seminar, wo man in völliger Freiheit und Gleichberechtigung PsychoanalytikerIn werden kann.

In den 25 Jahren seines Bestehens hat das PSZ eine Vielzahl von Initiativen und Gruppierungen hervorgebracht, die es auch in theoretischer und praktischer Hinsicht an die Seite der wichtigsten ausländischen Zentren stellt: Ethnopsychoanalyse, Kritische Psychoanalyse, Klein/Bion-Gruppe, Lacan-Seminar, Kinder-Psychoanalyse und Baby-Observation, Operative und Foulksche Gruppentechnik etc. Von hier aus ist in den 80er Jahren die Vernetzungsbewegung lanciert worden, die sich zwar nach einer Reihe internationaler Kongresse wieder aufgelöst hat, bis heute aber ihre Spuren und fruchtbaren Kontakte kreuz und quer durch Europa hinterlassen hat (die alten und neuen Zeitschriften dieser Bewegung – mit denen eine Zusammenarbeit angestrebt werden könnte - heissen etwa: Psicoterapia e Scienze Umane (Bologna), Free Associations (London), Werkblatt (Salzburg), Texte (Wien), Hefte für Kinderpsychoanalyse (Kassel), Rebus (Bern), Psychoanalyse im Widerspruch (Heidelberg), Psychoanalyse (Berlin) u.a.m. Das PSZ hat schliesslich eine ganze Reihe von Methoden und Organe in seinem Inneren hervorgebracht, die bis heute das demokratische Funktionieren dieser Gegeninstitution garantieren, darunter die Journal-Gruppe.

Entsprechend den Grundsätzen der Selbstverwaltung hat sich fast seit dem Neubeginn des PSZ nach der Aussperrung aus den Räumen der Schweiz. Gesellschaft für Psychoanalyse 1977 eine Gruppe von KollegInnen zusammengefunden, die eine Zeitschrift machen wollten und das Vertrauen der Teilnehmerversammlung gewinnen konnten. So sind bis heute an die 50 Hefte entstanden, die wesentliche Aspekte des institutionellen Lebens mit ihren vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, sowie des fortwährenden kritischen Nachdenkens über die Essentials der Profession in Theorie und Praxis vermittelten. Entsprechend den Stärken und Schwächen einer unbezahlten und nebenberuflich ausgeübten Tätigkeit, war das Profil und die Qualität der Zeitschrift in den letzten Jahren vielen Schwankungen unterworfen, die Journalgruppe überlebte aber und erneuerte sich in der Art einer Slow-Open-Group bis zum Jahr 2001. Verschiedene Zufälligkeiten brachten es mit sich, dass die Gruppe sich zu diesem Zeitpunkt aufzulösen begann, so dass keine Hefte mehr erscheinen konnten. Die Teilnehmerversammlung hat sich nach Kenntnisnahme dieser Krise im Sommer 2002 für ein neues Journal ausgesprochen. In der Zwischenzeit hat sich denn auch eine neue Journal-Gruppe formiert, die gewillt ist, die Zeitschrift aus der Krise herauszuführen und möglichst zu professionalisieren.

Die Zeitschrift soll weiterhin zweimal jährlich erscheinen, jedoch zu klar definierten Ercheinungsdaten im Frühjahr und im Herbst. Die Hefte sollen neu thematisch orientiert sein, womit auch eine langfristige Planung möglich wird, was der Redaktion erlaubt, gezielt Autoren zu suchen, zu motivieren und zu begleiten. Die Themenschwerpunkte sollen aus den aktuellen Diskussionen und Auseinandersetzungen am PSZ hervorgehen und die Vielfalt der im Seminar koexistierenden Ansätze wiederspiegeln. Die Zeitschrift soll wissenschaftlichen Anforderungen genügen und niveaumässig vergleichbaren psychoanalytisch-theoretischen Publikationen entsprechen. Das Journal soll sich jedoch ausgehend von den zürcherischen Themen auch der kritischen psychoanalytischen Diskussion im ganzen deutschen Sprachraum und darüber hinaus öffnen. Die Journalgruppe wird auch jüngere PsychoanalytikerInnen für Beiträge ansprechen und durch fachliche Beratung und Begleitung den angestrebten Standard garantieren. Dadurch soll eine breitgefächerte fachliche Auseinandersetzung am PSZ gefördert werden. Neben dieser theoretischen Orientierung soll in der Art einer Forum-Rubrik oder Nachrichten-Börse Raum für zürcherische Interna, Kritik, Kurznachrichten und Diskussionsvoten (Leserbriefe), Buchbesprechungen, Kongresshinweise etc., evtl. auch für Inserate geschaffen werden.

 

Zürich, im September 2003
Die Redaktionsgruppe

 

 

Aus: Journal für Psychoanalyse, Ausgabe 43, journal@psychoanalyse-zuerich.ch