Call for Papers

JOURNAL FÜR PSYCHOANALYSE, Heft 62

«Innen Zwischen Aussen»
Das Innen, das Aussen, das Zwischen – Grenzen und Übergänge, Verbindungen und Überschreitungen – sollen Inhalt von Heft 62 des Journals für Psychoanalyse sein.

Übergänge kennzeichnen wichtige Entwicklungsschritte und werden gleichzeitig als Gefährdung und Bedrohung erlebt – Übergangsrituale dienen der Absicherung vor dem ungeschützten Zwischenzustand. Während der Patient im Wartezimmer wartet, sitzt er im Übergangsraum. Die Psychoanalytikerin holt ihn ins Behandlungszimmer und ermöglicht ihm einen Zugang zu seinem psychischen Raum. Die Situation im Behandlungszimmer repräsentiert auf vielfache Weise die prekäre Situation, in der sich das Subjekt befindet: Sein Raum ist zwar geschützt, soll aber für das Aussen durchlässig bleiben. Der Raum muss immer wieder verlassen werden – es gibt kein Verharren im Innen. Aber schon hier, bei der Frage nach dem Status von Innen und Aussen, gibt es Vorschläge, diese für unsere Vorstellung von Raum so selbstverständliche Grenze als ein Phantasma aufzufassen. Das führt zum Thema, wie Begrifflichkeiten eines Innen und Aussen entstehen, ob sie sich bewähren, und inwiefern die Konzeptualisierung einer Auflösung entgegenwirken soll.

Sigmund Freud erforschte in «Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten» (1914) die innere, psychische Realität und setzte sie ins Verhältnis zur äusseren Realität. Damit machte er grundlegende Konzepte wie Subjektivität und Objektivität zum Gegenstand. Auch Bions Container als existenzielle Prothetisierung im Seelenleben des Kindes, um zerstörerische und vernichtende Regungen zu integrieren, bietet sich in diesem Zusammenhang zur Auseinandersetzung mit dem Innen und Aussen bzw. dem Übergang (Übergangsobjekt) an; desgleichen Themen zum psychoanalytischen Setting, zur Beziehung und Intersubjektivität zwischen Patienten und Psychoanalytiker, sowie zu Anfang und Ende einer Psychoanalyse.

Inneres und äusseres Objekt, Integration und Desintegration, Externalisierung, Dissoziation, projektive Identifizierung, Psychosomatik – als einige relevante Termini technici – führen zu mannigfaltigen klinischen und technischen Fragen, die beim Verständnis und bei der Behandlung psychischer Phänomene und Beeinträchtigungen eine zentrale Rolle spielen.

Für kultur- und gesellschaftsanalytische Themen ist die Differenzierung einer psychischen und materiellen Realität ebenfalls von Bedeutung: Der Cyberspace als Ersatz für einen inneren Raum, als Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine, bei der eine Unterscheidung von Innen und Aussen antiquiert erscheint. Die allgegenwärtigen Plattformen der Social Media, sie fügen dem Innen- und dem Aussenraum einen virtuellen Raum hinzu, in dem etwas Drittes stattfinden zu können scheint. Im Lichte von Patchwork, assistierten Reproduktionstechnologien und gleichgeschlechtlichen Paaren wird die Hermetik der klassischen Familie zum überholten Konstrukt. Transgender und Geschlechtsidentität kreisen um Themen inneren Erlebens und äusserer Wahrnehmung.

So möchten wir einladen, in viele Richtungen weiterzudenken.

Für die Zusammenstellung eines ausgewogenen Heftes erbitten wir Themenvorschläge als Abstract (max. 2‘000 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis 29. Februar 2020 an: journal[at]psychoanalyse-zuerich.ch

Die Redaktionsgruppe behält sich vor, eine Auswahl zu treffen. Eingabefrist für Artikel ist der 30. November 2020 (max. 40‘000 Zeichen inkl. Leerzeichen). Das Heft erscheint im Sommer 2021.

Weitere Informationen und die Schreibanleitung des Journals finden sich unter Beitragseinreichung.

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Call for Papers, Heft 62