Call for Papers

JOURNAL FÜR PSYCHOANALYSE, Heft 63

«Vom Stillen und Stimmen: Frauen in der Psychoanalyse»
Nicht nur als Anna O. verschaffte sich Bertha Pappenheim Gehör, sondern auch als bedeutende Frauenrechtlerin erhob sie immer wieder ihre Stimme. Talking cures – reden ist heilsam, wies sie Sigmund Freud den psychoanalytischen Weg und sorgte im Arzt-Patientinnen-Verhältnis für einen «qualitativen Umschlag» (Alfred Lorenzer). Klinisch entstand ein neues Recht – kritisch betrachtet ebenso eine neue Pflicht – zur freien Rede der Patientinnen wie Patienten.

Doch politisch war es für Frauen ein langer Weg aus der Stille. In der Schweiz wurde ihnen erst 1971 das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht zugestanden, was sich 2021 nun zum 50. Mal jährt. Dies wollen wir zum Anlass nehmen, um einen Blick auf Frauen in der Psychoanalyse zu werfen.

Von hysterischen Patientinnen zu herausragenden Analytikerinnen, als zahlungskräftige Analysandinnen oder Financières der psychoanalytischen Sache an sich, mit Übersetzungen und fachlichen Beiträgen kommt Frauen in der Entwicklung und Verbreitung der Psychoanalyse von Anbeginn eine tragende Rolle zu. Innerhalb der Theorie hingegen, hält sich, nicht zuletzt durch seine beständige Widerlegung, ein marginalisierendes, bestenfalls widersprüchliches Bild von Frauen als kastrierte Wesen voller Neid, denen als (Partial-)Objekt des Begehrens sogar noch ein Subjektstatus abgesprochen wird. In mütterlicher Rolle werden sie mit normativer Reglementierung ihrer zwangsläufig unzureichend nährenden Funktion für das Kind bedacht, in der allmächtigen Mutter-Imago vom väterlichen Prinzip zum Wohle des weiblichen wie männlichen Kindes in Schach gehalten.

Marx abgewandelt, lässt sich an der Position der Frauen der Fortschrittscharakter einer Gesellschaft ablesen – wie ist es dann um die psychoanalytische Gesellschaft bestellt? Wie steht es um die weibliche und damit auch allgemeine Emanzipation in der Psychoanalyse – sowohl auf klinisch-praktischer als auch theoretischer Ebene? Welche Stimmen wurden und/oder werden dabei heute überhört? Welche Rollen kommen Frauen in psychoanalytischen Fachgesellschaften zu, und welche nehmen sie ein? Wie gestaltet(e) sich ihre Mitbestimmung in Institutionen, nicht zuletzt am PSZ? Frauen in der Psychoanalyse in den Blick zu nehmen heisst auch, Herrschaftskritik zu betreiben – was bedeutet dies für eine Psychoanalyse?

Mit diesem Schwerpunkt möchten wir im 63. Heft des JOURNAL FÜR PSYCHOANALYSE zu einer breit angelegten Diskussion einladen.

Für die Zusammenstellung eines vielfältigen Heftes erbitten wir Themenvorschläge als Abstract (max. 2‘000 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis 28. Februar 2021 an: journal[at]psychoanalyse-zuerich.ch

Die Redaktion behält sich vor, eine Auswahl zu treffen. Eingabefrist für die Beiträge ist 31. Oktober 2021 (max. 35‘000 Zeichen inkl. Leerzeichen). Das Heft erscheint im Sommer 2022.

Weitere Informationen und die Schreibanleitung des Journals finden sich unter Beitragseinreichung.

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Call for Papers, Heft 63