WARUM und/oder WIE – Unterschiedliche psychoanalytische Konzepte weiblicher Homosexualität

  • Almut Rudolf-Petersen
Schlagworte: Weibliche Homosexualität, lesbischer Komplex, basic facts of homosexual life

Abstract

Anders als in den Vereinigten Staaten sind im deutschsprachigen Raum seit dem Erscheinen des pionierhaften Sammelbandes Stumme Liebe (1993) kaum Arbeiten zu weiblicher Homosexualität herausgekommen. Immerhin sind einige Artikel dieses inzwischen schon über 20 Jahre alten Readers weiterhin aktuell, z. B. der von Poluda-Korte, den ich zu Beginn der vorliegenden Arbeit vorstelle: Die Autorin entwickelt das Konzept des lesbischen Komplexes, mit dessen Hilfe sie eine lesbische wie auch eine heterosexuelle Entwicklung als Weichenstellung in einem unbewussten Konflikt versteht. Sie folgt der Frage nach der Psychogenese sexueller Orientierung, also der Frage nach dem Warum von Homosexualität bzw. Heterosexualität. Eben diese Frage hält Ermann (2009), rückblickend auf jahrzehntelange kontroverse Diskussion und Forschung, für z. Z. nicht beantwortbar. Er betrachtet es als ergiebiger, nicht von der Warum-, sondern von der Wie-Frage auszugehen, sich also mit den Grundkonflikten und spezifischen Entwicklungsaufgaben einer eigenständigen homosexuellen Entwicklung zu befassen, die bereits pränatal angelegt sein kann, den basic facts of homosexual life. Es erscheint lohnend, Ermanns die männliche Homosexualität betreffenden Überlegungen auch für weibliche Homosexualitäten zu berücksichtigen. Denn deren auffällige Variationsbreite spricht dafür, verschiedene Konzepte zu verwenden, fallweise nur das eine (das der pränatalen Bedingtheit) oder das andere (das der psychischen Weichenstellung), in anderen Fällen beide zugleich und gleichermassen.

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Veröffentlicht
2016-07-21
Zitationsvorschlag
Rudolf-Petersen, A. (2016). WARUM und/oder WIE – Unterschiedliche psychoanalytische Konzepte weiblicher Homosexualität. Journal für Psychoanalyse, (57). https://doi.org/10.18754/jfp.57.11